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It's all about contact.

Anmerkungen (1) zu einem einfachen Satz.

· Personalentwicklung,Führung,Coaching

Review und Forecast, Feedback und Zielvereinbarung, Bewertung der Vergangenheit und Prognose der Zukunft - Führungspersonen beherrschen den Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft. Viele bleiben in dieser Spreizung, sie verpassen die Gegenwart, den Moment des Jetzt. Im konkreten einzigartigen Jetzt verbirgt sich die konkrete und einzigartige Chance, im Kontakt zu sein, in diesem 'Gegenwartsmoment', wie der Entwicklungspsychologe Daniel Stern schreibt, der nicht von der Vergangenheit und der Zukunft als Geisel genommen werde. Wie Atmen geht Kontakt nur jetzt, in einem konkreten Augenblick. Kontakt und Gegenwart gehören zusammen. In diesem Augenblick kann Kontakt geschehen, kann ein Gegenwartsmoment erfahren werden. Nicht vorher, nicht nachher. Die Qualität dieses Kontakts entscheidet über die Qualität von Beziehungen im beruflichen wie im privaten Kontext. Die Qualität dieses Kontakts entscheidet darüber, wie das Miteinander in einer Organisation erlebt wird. Die Qualität dieses Kontakts entscheidet über die Qualität unternehmerischer Vorhaben.

Alle, die Stresssymptome wahrnehmen und darunter leiden, die in inneren und äusseren Konflikten stecken, sich selbst, Mitarbeitende oder Kollegen von Depression oder Burnout bedroht sehen, sagen, es habe frühe Anzeichen gegeben. Selbstvorwürfe folgen. In allen Projekten, die zu scheitern drohen (und es sind immer noch viel zu viele, die aus dem Ruder laufen), wird ex post von frühen, latenten Problemen berichtet. In sozialen Konflikten, in denen die Kommunikation allmählich versiegt, können die Anfänge des Prozesses von Rückzug und Austrocknung benannt werden. In aller Regel sind es nicht technische oder fachliche, sondern Selbstprobleme und soziale Probleme in ihrer Wechselseitigkeit, die zum Scheitern führen. Einer meiner Klienten sagte (hilfreich übertreibend): 'Wir haben unser Projektmanagement im Griff, unsere Projekte nicht.' Alle, die sich für oder gegen etwas entscheiden, etwa eine neue Aufgabe, eine neue Position, einen Stellenwechsel, eine Stellenbesetzung, ein neues Produkt, und mit dieser Entscheidung Schiffbruch erleiden, berichten von vagen inneren Widerständen, die sie nicht zugelassen hätten. In Entscheidungsprozessen - Entscheidung im Sinn des Kybernetikers Heinz von Förster: 'Nur die Fragen, die prinzipiell unentscheidbar sind, können wir entscheiden.' - ist es eine Frage der Selbstfürsorge, anderen und sich selbst zuzuhören, auch wenn die Stimmen noch so leise und unbestimmt sind.

Viele, die sich mit eigenen Anliegen in ein Coaching, eine Beratung begeben und neben ihrer äusseren auch ihre innere Welt zu beobachten beginnen, beschreiben anfangs ihre innere Welt mit Metaphern wie einem voll gestellten Estrich, einem dicht bepackten Lagerraum, einem unterirdischen Gewölbe mit vielen Gängen und Nischen. Sie finden dort Muster, tief und früh Gelerntes, Er-inner-ungen, die sich in konkreten Situationen aktualisieren, Verinnerlichtes und Verkörpertes. Diese innere Welt ist gegenwärtig, sie liefert den Hintergrund für Handeln und Erleben. Der Hintergrund liefert das Repertoire dafür, wie wir in entscheidenden Momenten agieren und wie wir das wiederholen, was wir als unsere Fehler bezeichnen. Die anspruchsvolle Aufgabe besteht darin, 'vorsätzlich neue Spuren zu bahnen', wie der Gestalttherapeut Frank Stämmler schreibt. Sich vorsätzlich selbst ernst nehmen. Den inneren Bewegungen folgen. Vorsätzlich anderen zuhören. In die Kommunikation (nach Luhmann) einsteigen. Sich selbst vorsätzlich besser kennenlernen. Andere auch.

Menschen, die in Organisationen Verantwortung übernehmen, brauchen nicht mehr Zeit für Führung. Die nehmen sie sich dann schon, wenn sie wissen wofür und für wen. Sie brauchen die Selbstlegitimation, um sich mit ihren Er-inner-ungen zu beschäftigen, sich ihrer gelernten, verinnerlichten, verkörperten Muster gewahr zu werden, ihre inneren Bewegungen wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Sie brauchen die Erlaubnis ihrer Organisation, mit dieser Haltung zu führen, Mitarbeitende zu ermutigen, sich selbst und ihre inneren Bewegungen wahrzunehmen und sie als Warnung, Zustimmung, Befürchtung, Bestätigung, Sorge, Hoffnung, Wunsch, Idee, was auch immer, in die Kommunikation einzubringen.

Versäumte Gegenwartsmomente kosten Geld. Ich denke, dass es gerade in der Vor-Hochzeit der Digitalisierung eine prominente Aufgabe von PE/OE ist, die Türen zu öffnen für diese Art von Führung: Kontakt in Gegenwart zu sich selbst und zu anderen. Das könnte auch eine Antwort auf die Frage sein, was es denn heissen kann, dass es in der Führungs- und Personalarbeit um den Menschen gehe.

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