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... a sprawling pastiche of a total life lived ...

Nancy Amendt-Lyons Buch mit Texten von und über Lore Perls

'Das vorliegende Buch präsentiert bisher unveröffentlichte Texte der Mitbegründerin der
Gestalttherapie Laura Perls. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass Laura Perls wesentlich zu den
Publikationen ihres Ehemannes Fritz Perls beigetragen hat. Unter eigenem Namen hat sie jedoch nur wenig veröffentlicht. Nun werden Notizbücher, Briefe, Gedichte, Übersetzungen, Kurzgeschichten und Entwürfe für Vorträge und Publikationen in ausführlich kommentierter Form der deutschsprachigen Öffentlichkeit zugänglich gemacht, die einen sehr persönlichen Blick auf die Mitbegründerin der Gestalttherapie ermöglichen.

Ergänzt werden die Texte durch das auf Englisch abgedruckte ausführliche Interview, das Daniel
Rosenblatt 1972 mit Laura Perls geführt hat. In der gründlich recherchierten Einleitung der
Herausgeberin Nancy Amendt-Lyon erhalten Leserinnen und Leser wichtige Hintergrundinformationen über das Leben von Laura Perls und über die Entstehung der Gestalttherapie.' (Quelle: Verlagsankündigung https://www.psychosozial-verlag.de/2702? ref=nl635). Der Verlag stellt eine Leseprobe zur Verfügung https://www.psychosozialverlag.de/pdfs/leseprobe/9783837927023.pdf.

‘Dieses Buch ist wie ein weiterer Meilenstein in die Geschichte der Gestalttherapie
hineingeschrieben’, schreibt Klaus Lumma im Counseling Journal für Beratung, Pädagogik &
Psychotherapie, http://www.counselingjournal.de/…/counseling_journal15v2.pdf.

In der sehr ausführlichen Besprechung von Hans-Peter Heerkens auf

www.socialnet.de/rezensionen/22943.php ist zu lesen: ‘Nancy Amendt-Lyon wurde die Fügung zuteil, ein wertvolles Vermächtnis zu erhalten; sie hat sich mit diesem Buch als Lores gute Erbwalterin in die Annalen der Gestalttherapie eingeschrieben’. Prof. Heerkens rezensiert Zeitlose Erfahrungen mit einem wertschätzenden und kenntnisreichen Blick sowohl auf die sorgfältige Arbeit der Herausgeberin Nancy Amendt-Lyon wie auf das schriftliche Vermächtnis von Laura Perls. Michael C. Fischer schreibt in Gestalt Review (2017) Vol. 21(3): ‘L. Perl’s unpublished notebooks and literary texts are a sprawling pastiche of a total life lived.’

Für mich ist das Buch mehr als ein schriftliches Vermächtnis, das ein reiches Leben zeichnet.
‘Wahrheit’, so Lore Perls, ‘liegt (..) in der zeitlosen Erfahrung eines ganzen Lebens,
herauskristallisiert - wenn überhaupt - als eine persönliche Mythologie.’ Diese ‘persönliche
Mythologie’ verstehe ich als Erforschung des eigenen Lebens und seiner Linien, ein pralles Leben
nachgezeichnet mal mit kurzem Pinselstrich, mal mit langem, in kräftigen Farben gemalt, Traditionen bemühend. ‘Hier stehen wir, endlich Gleichgestellte, mit dem Schal unseres Kummers behangen’ (p170). Als Leserin bin ich angerührt, will verstehen, das Leben einer fremden Frau, bin in mein eigenes zurückgezogen, ahne Verbindungen, lasse mich in Alltagsbeobachtungen hineinziehen. Ich ‘wurde mehr und mehr verwirrt, während ich damit fortfuhr, Frauenhänden zuzusehen, die entschlossen wir hungrige Möwen in den wallenden Haufen tauchten’ (p201). Mit
Lore Perls am Wühltisch. Sie schrieb in einer starken Sprache, Sprachspiele schienen ihr zu gefallen, das Schnitzen von Worten, das Jonglieren mit Bedeutung, umdeuten, ausreizen,
zusammenkleben. ‘Experiessence’, ‘exasperiment’, ‘premartyrially’. Ich lasse mich anregen, bei
anderen Gestaltleuten nachzulesen. Unsere Alten sind anziehend. Schön, dass ich das
Rosenblatt-Interview von 1972 auch im Buch finde (p269). Ich wende mich unseren Alten zu und ich werde mutig und frei. Mutig zu experimentieren. Ja, es darf auch versuchsweise exaltiert sein. Das Medium der Sprache passt für viele Formen. Ja, die Festlegungen dürfen in Frage gestellt sein. Wie die eigene Mythologie … formen? Die Grenzen sind Grenzen, mehr nicht. Was hilft mir verstehen und was bringt uns zusammen? Diese Fragen trage ich mit mir herum und ich bade sie in den Texten von Lore Perls.

Das Lesen in diesem Buch, das Blättern, Einhängen und Wegdriften, hinterlässt Spuren:
Fragmentarisches schätzen, Fremdes und Eigenes in den Blick nehmen, Antwort und Frage nebeneinander stehen lassen, Irritation in Kauf nehmen, den schnellen Rezepten misstrauen, auf das Experiment vertrauen. Exasperiment. Welch ein lebendiges Vermächtnis!

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